"Billig und schnell" ist oft "teuer und unsolide"
Fachmann Peter Hofmann zu Preisen und worauf Anfänger bei der Wahl ihrer Fahrschule achten sollten
Zum Artikel "Allzeit gute Fahrt - nach der Prüfung" auf der Jugendseite vom 10. Januar, in der Hoyerswerdaer Fahrschulen verglichen wurden, schreibt PETER HOFMANN, der die Webseite www.fahrschule4you.de für den sächsischen Fahrlehrerverband erstellt: Der Preis für die begehrte Fahr-Lizenz ist nicht von Pappe. Billige und schnelle Fahrschulen entpuppten sich am Ende als teuer und unsolide. Besser ist es, vorher die Bedingungen zu checken: Welche Fahrschule verdient das Prädikat gut und preisgünstig? Wir haben dazu ein paar Tipps zusammengestellt:
Preise (Pkw) Entscheidend ist der Gesamtpreis. Der ergibt sich aus der Addition fixer Kosten, z.B. für Lehrmaterial sowie zum Teil flexibler Kosten wie Fahrstunden. Vor Ausbildungsbeginn sollten alle Konditionen schriftlich, d.h. verbindlich, festgelegt werden. In den Preisen der Fahrschule muss die Mehrwertsteuer enthalten sein. Nicht täuschen lassen: Der Niedrig-Preis für eine Fahrstunde gibt noch keine Auskunft darüber, wie teuer der Führerschein am Ende wirklich wird. Riskant sind "schnelle" Fahrschulen, die ihre Fahrschüler zu früh in die Prüfung schicken. Die Folge ist logisch: Alles verpatzt und durchgefallen. Beim nächsten Anlauf kassiert die Fahrschule erneut die Vorstellungsgebühr und lässt sich auch die zusätzlich notwendigen Fahrstunden teuer bezahlen. Hier ein Auszug der durchschnittlichen Kosten: Grundgebühr Großstadt 125 Euro ländliche Gebiete 200 Euro In diesen Preisen sind die Kosten für den theoretischen Unterricht, zum Beispiel zwölf Doppelstunden a 45 Minuten, sowie allgemeine Verwaltungskosten der Fahrschule enthalten.
Lehrmaterial Großstadt 30 Euro ländliche Gebiete 75 Euro
Fahrstunden Großstadt 23 Euro ländliche Gebiete 25,50 Euro Hier sollten 20 bis 30 Fahrstunden einkalkuliert werden. Eine Umfrage des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg hat ergeben: Junge Frauen brauchen im Durchschnitt 33, junge Männer 29 Fahrstunden. Eine Insider-Formel lautet: Lebensalter x 1,5. Sonderfahrten Großstadt 30 Euro ländliche Gebiete 70 Euro Vorgeschrieben sind drei Nachtfahrten, fünf Überlandfahrten und vier Autobahnfahrten. Diese müssen in jedem Fall absolviert werden.
Vorstellung Großstadt 92 Euro ländliche Gebiete 97 Euro Hinzu kommen Kosten für Gebühren der Verkehrsbehörde, Erste-Hilfe-Kurs, Sehtest, TÜV/DEKRA (für theor. und prakt. Prüfung). Alles in allem kostet ein Führerschein der Fahrerlaubnisklasse B nach dieser Aufstellung (minimaler/maximaler Durchschnitt) 1228 Euro bzw. 1 678 Euro. Doch diese Durchschnittspreise - sie wurden '99/00 ermittelt - bieten nur einen allgemeinen Anhaltspunkt; die tatsächlichen Preise können weit darüber oder darunter liegen. Darüber hinaus sollte zum Beispiel geklärt werden: Ist die Fahrschule in Wohnortnähe? Wie ist die Flexibilität bei Terminvereinbarungen für Fahrstunden? Kann der Theorieunterricht zu verschiedenen Zeiten ausgewählt werden? Auf jeden Fall gilt: Fahrschulen vor Ort vergleichen. Für das Kennenlern- und Anmeldegespräch sollte der Fahrlehrer persönlich zur Verfügung stehen. Alle Fragen ohne Zeitdruck beantworten lassen, z.B.: Wie hoch ist der Anteil jener Fahrschulabsolventen, die ihre Führerscheinprüfung im ersten Anlauf bestanden haben? (Bundesdurchschnitt: 77,3 Prozent; wünschenswert: über 90 Prozent). Übrigens: Die Pflichten des Fahrlehrers sind in der Fahrschülerausbildungsordnung festgelegt und werden in einer guten Fahrschule vorgelegt.